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Kinder- und Jugendpsychiatrie in der pHKP

Psychiatrische häusliche Krankenpflege bei Kindern und Jugendlichen

Unsere fachliche Haltung und Verantwortung

 

Psychische Belastungen und Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen sind für betroffene Familien sehr herausfordernd. Viele Eltern fühlen sich unsicher, warten lange auf passende Hilfe oder finden nur wenige Angebote. In dieser Situation ist es verständlich, dass auch nach psychiatrischer häuslicher Krankenpflege (pHKP) als Unterstützung gefragt wird.

 

Psychiatrische Pflege  Kinder und Jugendpsychiatrie Familien

 

Als spezialisierter Anbieter psychiatrischer häuslicher Krankenpflege möchten wir offen und nachvollziehbar erklären, warum wir dieses Angebot nicht für Kinder und Jugendliche anbieten – und warum diese Entscheidung aus unserer Sicht verantwortungsvoll und notwendig ist.

 

Besondere Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen

Kinder und Jugendliche befinden sich noch in ihrer Entwicklung. Gefühle, Denken und Verhalten verändern sich in dieser Zeit stark. Anders als Erwachsene können sie psychische Belastungen oft noch nicht gut einordnen oder auf Abstand betrachten.

 

Belastende Gefühle werden deshalb häufig sehr intensiv erlebt. Schuldgefühle, Selbstzweifel oder die Angst, „nicht richtig“ zu sein, können sich schnell festsetzen. Auch Eltern und andere Bezugspersonen sind meist stark in diese inneren Konflikte eingebunden.

 

Darum brauchen Kinder und Jugendliche eine besonders behutsame Unterstützung. Hilfen müssen altersgerecht sein, Beziehungen einbeziehen und das gesamte familiäre Umfeld berücksichtigen. Unpassende oder zu früh eingesetzte Maßnahmen können das Selbstbild und die seelische Entwicklung langfristig beeinflussen.

 

Warum pHKP dafür nicht geeignet ist

Die psychiatrische häusliche Krankenpflege ist in ihrer Struktur auf die Begleitung erwachsener Menschen ausgerichtet. Zwar gibt es Fortbildungen zur Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, diese sind jedoch meist zeitlich begrenzt und können die besondere Fachlichkeit der Kinder- und Jugendpsychiatrie nicht ersetzen.

 

Aus unserer fachlichen Sicht reicht dieser Rahmen nicht aus, um Kinder und Jugendliche sicher und verantwortungsvoll zu begleiten. Dafür braucht es eine spezielle Ausbildung, viel Erfahrung und eine enge Einbindung in kinder- und jugendpsychiatrische Versorgungsstrukturen.

 

Besonders anspruchsvoll sind unter anderem:

 

  • die schnelle Veränderung von Entwicklung und Verhalten
  • Konflikte und Spannungen innerhalb der Familie
  • die hohe Beeinflussbarkeit von Kindern und Jugendlichen
  • rechtliche Fragen wie Sorgerecht, Schweigepflicht und Kinderschutz
  • akute Krisen bis hin zu suizidalen Gedanken

 

Ohne entsprechende Spezialisierung sehen wir hier erhebliche Risiken für die betroffenen Kinder und ihre Familien.

 

Schutz der Kinder – und Verantwortung für unsere Mitarbeitenden

In schweren Krisen braucht es eine gut abgestimmte Zusammenarbeit verschiedener Fachstellen. Fehlt diese enge Anbindung, können Situationen falsch eingeschätzt werden – mit ernsthaften Folgen.

 

Gleichzeitig tragen wir Verantwortung für unsere Mitarbeitenden. Einsätze im kinder- und jugendpsychiatrischen Bereich ohne ausreichende Qualifikation, fachliche Begleitung und Supervision können stark belasten. Auch der Schutz unserer Mitarbeitenden ist für uns Teil verantwortungsvoller Arbeit.

 

Hohe Nachfrage, aber begrenzte Möglichkeiten

Die steigenden Anfragen nach pHKP für Kinder und Jugendliche zeigen, dass es in diesem Bereich große Versorgungslücken gibt. Das ist für Familien sehr belastend und stellt auch Fachkräfte vor große Herausforderungen.

 

Trotzdem sind wir überzeugt: Fehlende Angebote dürfen nicht dazu führen, dass Hilfen eingesetzt werden, die fachlich nicht passend sind. Gute Versorgung bedeutet, die richtige Hilfe zur richtigen Zeit anzubieten – auch wenn das manchmal heißt, ein Angebot bewusst nicht zu machen.

 

Unsere bewusste Entscheidung

Aus diesen Gründen haben wir uns entschieden, keine psychiatrische häusliche Krankenpflege für Kinder und Jugendliche anzubieten. Diese Entscheidung steht für unser Qualitätsverständnis und unsere Verantwortung gegenüber Kindern, Familien und Mitarbeitenden.

 

Unser Schwerpunkt liegt auf der psychiatrischen häuslichen Pflege erwachsener Menschen – dort, wo unsere Arbeit fachlich fundiert, erprobt und gut abgesichert ist.

 

Orientierung und Unterstützung für Familien

Auch wenn wir keine pHKP für Minderjährige anbieten, lassen wir Familien mit ihren Fragen nicht allein. Wenn Sie Unterstützung für ein Kind oder einen Jugendlichen suchen, können Sie sich gerne an uns wenden.

 

Wir helfen bei der Orientierung und vermitteln – soweit möglich – an passende kinder- und jugendpsychiatrische, therapeutische oder sozialpädagogische Angebote.

 

Manche Hilfen brauchen spezialisierte Wege. Verantwortung bedeutet für uns, diese ehrlich aufzuzeigen.

 

Fachliche Bezugspunkte (Auswahl)

Remschmidt, H.; Mattejat, F.: Kinder- und Jugendpsychiatrie, Springer

Fegert, J. M. et al.: Psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, Beltz

DGKJP: Behandlungsleitlinien und Positionspapiere

Sachverständigenrat Gesundheit: Versorgung psychisch erkrankter Kinder und Jugendlicher

WHO: Adolescent Mental Health